Auf ihrer Kreismitgliederversammlung am 30.11.2025 hat Die Linke Kiel sich mit deutlicher Mehrheit dazu entschlossen, keine Wahlempfehlung für die Stichwahl zum Oberbürgermeister am 07.12. auszusprechen. Weder Gerrit Derkowski noch Samet Yilmaz sind in den Augen der Kieler Linken geeignete Kandidaten für das Amt.
„Dem von CDU und FDP unterstützten Gerrit Derkowski mangelt es nicht nur an kommunalpolitischer oder Verwaltungserfahrung, sondern er steht für eine rückwärtsgewandte und realitätsferne Politik“, fasst Johanna Klitzschmüller, neu gewählte Kreissprecherin, zusammen. Besonders kritisiert sie, dass ein Hauptpfeiler seines Wahlkampfes in der Forderung besteht, die Planung der Stadtbahn zu stoppen und somit einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Verkehrslösung für Kiel eine Absage zu erteilen.
Die Linke Kiel erkennt ihre wesentlich größere politische Nähe zu den Grünen an, muss aber auch eine Unterstützung des ehemaligen Verfassungsschutzmitarbeiters Samet Yilmaz ausschließen. „Samet Yilmaz’ mögliche Verbindungen zu den rechtsextremen Grauen Wölfen sind bis heute nicht ausreichend aufgeklärt worden und sollten nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden“, mahnt Jonas Thiel, Kreissprecher.
Die Grauen Wölfe sind eine paramilitärische Organisation türkischer Rechtsextremisten, die Gewalttaten, auch Morde, gegen Linke, jüdische Menschen, kurdische Menschen und Angehörige anderer Minderheiten begeht. Mit über 10.000 Mitgliedern in Deutschland sind sie eine der größten hiesigen rechtsextremen Organisationen.
„Die Hinweise auf Samet Yilmaz’ mutmaßliche Verbindungen zu ihnen sind beunruhigend und seine Beschwichtigungen und Ausflüchte unseres Erachtens nicht überzeugend. Als Partei mit klarem antifaschistischem Anspruch empfinden wir seine Unterstützung als unmöglich“, verdeutlicht Johanna Klitzschmüller. Wir stehen an der Seite der kurdischen Gemeinschaft in Kiel und diese würde sich mit Samet Yilmaz als Bürgermeister nicht sicher fühlen.
Beide Kandidaten, so hat die Kreismitgliederversammlung festgestellt, handeln zudem entgegen der Kernforderungen der Linken Kiel. So wollen sie beispielsweise das ehemalige MFG-5-Gelände an die Bundeswehr verkaufen, anstatt dort den geplanten und dringend benötigten Wohnraum für Kiel entstehen zu lassen.
Jonas Thiel stellt abschließend klar: „Es ist nicht automatisch die Aufgabe der Linken, sich in den Dienst eines eventuell ‚kleineren Übels‘ zu stellen. Wir als Oppositionspartei positionieren uns gegen die herrschende Politik mit ihrer Militarisierung und ihrem Kürzungswahn.“